„Be weird. Be wild.“ – Enter Shikari in München

„Greetings Carbon based lifeforms!“ begrüßt Enter Shikari Sänger Rou Reynolds das Münchner Publikum. Auf ihrer „Stop The Clocks“-Tour hat die Band am Dienstagabend Halt im Münchner Backstage gemacht. Eigentlich war das Konzert in der Theaterfabrik geplant, doch sehr zu unserer Freude wurde es dann doch verlegt. Das Backstage Werk bietet einfach den Hexenkessel, den es für ein Enter Shikari Konzert benötigt.  Doch bevor die Briten die Bühne betreten, spielen mit Flash Forward aus Wesel und As It Is aus Brighton zwei überaus gute Vorbands. Und das sagen wir, obwohl wir uns schon mit deutlich schlechten Vorbands die Zeit vertrieben haben. Flash Forward bieten feinsten Alternative Rock und können das Publikum zu ersten Circle Pits animieren. As It Is wiederum erinnern sowohl optisch, als auch musikalisch ein wenig an eine Mischung aus 30 Seconds To Mars anno 2006 und The Used.

Um ziemlich genau 21:30 Uhr betreten schließlich Enter Shikari die Bühne und eröffnen mit „The Sights“ vom neuen Album das Set. Ein Song, bei dem bereits die Tanzschuhe ausgepackt werden dürfen. Generell lässt die Musik der Briten sowohl Moshpits, als auch Tanzeinlagen zu, was nicht zuletzt an ihrer Crossovermusik mit Einflüssen aus Metal, Hardcore, Alternative, aber auch Elektro bis hin zum Techno zeigt. Natürlich muss man diese Mischung mögen, aber Enter Shikari haben sich in den letzten 12 Jahren eine große Fanbase erspielt und treten in England inzwischen in 10 000er Arenen auf. Umso besser eigentlich, dass sie mit ihrer aktuellen Tour noch mal ein bisschen back to the roots in die Clubs kommen. Überraschend ist auch, wie gut sich ihre doch sehr hochwertige Produktion der Lichtshow auch in einer kleineren Halle macht. Das Stroboskoplicht und die blinkenden Spiegelreflektoren auf der Bühne geben jedenfalls ihr übrigens dazu, um die Energie oben zu halten.

Die Setlist bietet alles, was das Fanherz begehrt. Von älteren Songs wie „Arguing With Thermometers“ oder „Mothership“ (mit kurzer Einlage des Faithless Hits „Insomnia“), bis hin zu einer guten Zahl von Songs der neuen Platte. Man merkt den Briten die Spielfreude an und das, obwohl sie seit Ende letzten Jahres fast permanent unterwegs sind und jeden Tag Konzerte spielen. Das Energielevel bleibt immer hoch. Vor allem Sänger Rou Reynolds  gibt bei seinem doch sehr eigenen, aber deutlich energetischen Tanzstil alles –  und sackt nach den Songs manchmal auch für eine kurze Pause erschöpft zu Boden. Man nimmt es ihm nicht übel, immerhin herrschen im Backstage Werk gefühlte 50 Grad.

Etwas ruhiger wird es, als Reynolds allein am Piano Platz nimmt, um die Ballade „Airfield“ zu spielen. Bedacht hört man zu, selbst Drummer Rob Rolfe sitzt am Bühnenrand und lauscht den Klängen. Erst im letzten Drittel steigt die restliche Band in den Song mit ein und es wird noch einmal melancholisch laut.

Nach dem emotional aufwühlenden Teil des Konzerts, folgt aber gleich wieder ein Mitten-In-Die-Fresse Part. Bei der Quickfire-Round spielen Enter Shikari vier Songs in acht Minuten ohne Pause. Das kann schon mal ziemlich schweißtreibend werden. Wird es auch. Vor allem, weil sie mit ihrem wohl bekanntesten Song starten: „Sorry You’re Not A Winner“.  Von der Band auch gerne mal als „The Clap Clap Song“ betitelt. Natürlich wird durchgedreht und natürlich wird an den bekannten Stellen des Songs dreimal geklatscht. So will es das Enter Shikari Gesetz. Ganz einfach.

„Juggernauts“ (der wohl coolste Songtitel der Band) eröffnet nach einer kurzen Atempause schließlich die Zugabe und mit den Worten „a song to kick anxiety in the ass“ kündigt Reynolds mit „Live Outside“ den letzten Song des Abends an. Nach gut eineinhalb Stunden, die sich aber aufgrund der Hitze und der deutlich erhöhten Luftfeuchtigkeit in der Halle viel länger anfühlen, verabschieden sich Enter Shikari von der Bühne.

Es war schwitzig und energiegeladen. Alles klebt. Doch das ist egal, denn es war ein verdammt guter Abend mit einer Band, die wir erst letztes Jahr bei Rock im Park nach knapp 10 Jahren wiederentdeckt haben. Shame on us.

 

Nina Menken

Fotos: Carola Schulz

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