Der Schmutzki-Mob in München

Bier, Schweiß und Blut. Wenn man eine Konzerthalle betritt, während eine Band auf der Bühne steht und alle diese drei Dinge vorfindet, dann weiß man folgendes: Hier stehen Musiker auf der Bühne, die wissen, wie man ein Publikum zum feiern bringt. Genau das alles trifft auf das Schmutzkikonzert zu.

 

Positive Brutality – Gefühl bei Schmutzki

 

Zum dritten Mal sind Schmutzki nun im Münchener Backstage zu Gast. Zum ersten Mal waren sie übrigens 2014 mit den großen Beatsteaks unterwegs, die sie auf der kleinen Clubtour unterstützt haben. Seither sind sie jedes Jahr zurückgekehrt und haben sich inzwischen von der kleinen Clubbühne in die Halle hochgespielt. Schon damals begeisterten sie mit ihrem Sound, der irgendwo zwischen Postpunk und punklastigem Indie einzuordnen ist. Schnoddrige Texte, verzerrte Gitarren und ein noch ein bisschen verzerrter Bass. Das tut dann schon fast weh. Positive Brutality eben.

 

Ein Abend mit unendlichem Spaßfaktor

 

Schmutzki machen live einfach nur einen riesigen Spaß. Man kann ihre Songs regelrecht wunderbar mitbrüllen, „Hey du“ hat einen dermaßen eingängigen Refrain, dass er einem noch am nächsten Tag im Ohr hängt, ähnlich verhält es sich mit „Rodeo“ oder „Backstage“ vom 2015 erschienen ersten Album „BÄM“. Das macht die Band aber eben aus. Ihre Texte haben einen Eingängigkeitsfaktor, wie es sonst nur „Die Ärzte“ schaffen. Einmal gehört – für immer mitgebrüllt.   Ähnliche textliche Glanzstücke finden sich auch auf dem neuesten Werk „Spackos forever“ wieder. „Zeltplatz Baby“ beschreibt dabei ganz wunderbar diesen Zauber von vier durchzechten Festivaltagen und all den schönen Dingen, die man dort so tun kann. Aber eben genau auf diesen Festivals haben sich Schmutzki ihre Fans auch hart erspielt. Unermüdliches touren, viel Zeltplatzpromo und Campgroundkonzerte – das sind Schmutzki. Für nix zu schade und mit viel Spaß dabei. Deshalb verwundert es auch nicht, dass ihre Fans ihnen treu sind und die Tour teilweise sogar in mehreren Städten begleiten.

 

Schmutzki sorgen für Komplettabriss

 

Der Schmutzki – Mob, wie die Band ihre Fans liebevoll bezeichnet, ist in seinen roten Shirts (gefühlt trägt in der Halle jeder rot) in Partylaune. Das ein oder andere Bierchen wurde da im Vorhinein auch schon gezischt, sodass so mancher mehr durch den Moshpit torkelt, denn tanzt. So kommt es auch, dass die Besucher reihenweise mehr übereinander geschachtelt am Boden liegen, als auf ihren zwei Beinen stehen. Macht aber nix, das Adrenalin vom völlig verunglückten Stagedive nach Song Nummer vier, der mit einer böse blutenden Platzwunde endet, hält einen auf Trab. Gepaart mit genug Bier ergibt das eine wunderbare Mischung scheinbar, denn der Verunglückte steht schon zwei Lieder später wieder auf der Bühne, trinkt fix einen Schluck vom Alkoholvorrat des Sängers und hoppst Kopf voran in die Menge. Allgemein herrscht auf diesem Konzert angenehme Anarchie. Mal kann man hier auf die Bühne klettern und den Bassisten Dany herzen, mal hier einen Song selbst mitsingen, während man einen Jägermeistert trinkt oder beim Bühnenpogo aus Versehen das Mikro des Sängers umschubsen. Die drei Stuttgarter bleiben bei dem um sie herum tobenden Wahnsinn aber gelassen und scheuchen die Konzertbesucher nur ab und an von der Bühne, wenn es zu viele werden. Im Gegenteil, sie genießen die Aufmerksamkeit in vollen Zügen und sind Rampensäue vor dem Herrn. Bassist Dany versprüht auf der Bühne eine so derbe, aggressive Energie, dass es eine Freude ist, ihm zuzusehen.

 

Das klingt nach einem wilden Abend und genau der war es auch.  Neben all dem Spaß bleibt aber auch immer noch  genug Zeit für eine wichtige politische Aussage. Aber Schmutzki wären nicht Schmutzki, würden sie dafür nicht auch ihren ganz eigenen Ton anschlagen. „Und dann die Mittelfinger zum Himmel und fickt die AfD!“, lautet der Leitspruch, der dann gemeinsam in bester Bierzeltmanier skandiert wird. Die Wahrheit im Schmutzkistil. Aber genau so liebe zumindest ich meine Konzerte und damit haben Schmutzki also alles verdammt richtig gemacht.

Carola Schulz

 

 

Schmutzki_Backstage Halle_München_©SHARKmagazin (1) Schmutzki_Backstage Halle_München_©SHARKmagazin (2) Schmutzki_Backstage Halle_München_©SHARKmagazin (3) Schmutzki_Backstage Halle_München_©SHARKmagazin (4) Schmutzki_Backstage Halle_München_©SHARKmagazin (5) Schmutzki_Backstage Halle_München_©SHARKmagazin (6) Schmutzki_Backstage Halle_München_©SHARKmagazin (7) Schmutzki_Backstage Halle_München_©SHARKmagazin (8) Schmutzki_Backstage Halle_München_©SHARKmagazin (9) Schmutzki_Backstage Halle_München_©SHARKmagazin (10) Schmutzki_Backstage Halle_München_©SHARKmagazin (11) Schmutzki_Backstage Halle_München_©SHARKmagazin (12) Schmutzki_Backstage Halle_München_©SHARKmagazin (13) Schmutzki_Backstage Halle_München_©SHARKmagazin (14) Schmutzki_Backstage Halle_München_©SHARKmagazin (15) Schmutzki_Backstage Halle_München_©SHARKmagazin (16) Schmutzki_Backstage Halle_München_©SHARKmagazin (17) Schmutzki_Backstage Halle_München_©SHARKmagazin (18) Schmutzki_Backstage Halle_München_©SHARKmagazin (19) Schmutzki_Backstage Halle_München_©SHARKmagazin (20) Schmutzki_Backstage Halle_München_©SHARKmagazin (21) Schmutzki_Backstage Halle_München_©SHARKmagazin (22) Schmutzki_Backstage Halle_München_©SHARKmagazin (23) Schmutzki_Backstage Halle_München_©SHARKmagazin (24) Schmutzki_Backstage Halle_München_©SHARKmagazin (25)
<
>