Foto: © 2018 Twentieth Century Fox

Filmkritik: Bad Times at the El Royale

Jeff Bridges, Dakota Johnson, Chris Hemsworth und so viele klingende Namen mehr. Wer wäre da nicht neugierig auf den neuesten Streich von Drew Goddard (“Cabin in the Woods”). In seinem im Jahr 1969 angesetzten Thriller verschlägt es den Zuschauer in das Hotel “El Royal”, welches exakt auf der (visuell hervorgehobenen) Grenze zwischen Nevada und Kalifornien liegt und einst Spielerparadies und Absteige für Stars und Sternchen war. Nun ist es jedoch nur noch ein Schatten seiner selbst, dass mit einer beeindruckenden Eingangshalle, prall gefüllter Bar und edlem Ambiente noch den Charme alter Tage versprüht, aber mit der Abwesenheit von Gästen glänzt. Geblieben ist nur noch Miles (Lewis Pullman): der letzte Angestellte, der jede Funktion von Page bis Barkeeper übernimmt.

Doch eines Tages reisen überraschend gleich mehrere Gäste an. Zum einen ein Priester namens Daniel Flynn (Jeff Bridges), zum anderen die auf der Durchreise befindliche Sängerin Darlene Sweet (Cynthia Erivo), sowie eine zunächst namenlose Unbekannte (Dakota Johnson) und ein FBI-Agent (Jon Hamm), der sich nicht als solcher zu erkennen gibt. Gänzlich unabhängig voneinander, scheint es doch eine Sache zu geben, die sie alle gemeinsam haben: Niemand von ihnen ist das, was er zu sein vorgibt. Jeder von ihnen hütet ein Geheimnis, dass sich erst langsam aus der Geschichte herausschält, die viel von Mystery und Neo-Noir in sich trägt und damit dauerhaft Spannung garantiert.

Doch auch das Hotel an sich ist trotz des Scheins alles andere, als das abgelegene Juwel, als das es verkauft wird. Ein dunkles Geheimnis liegt hinter der Entstehung und späteren Nutzung des Etablissements, dass offensichtlich für mehr als nur die Erholung der einkehrenden Gäste geschaffen wurde.
Auf eine Nacht heruntergebrochen, offenbaren sich die Beweggründe der einzelnen Protagonisten, die sich langsam zu einem Szenario vermengen, dass unvorhersehbar und doch intelligent gestrickt ist. Dabei schreitet die Geschichte insbesondere ab der zweiten Hälfte (der in Kapitel eingeteilten Story) zügig voran und überrascht vor allem durch Momente, die in ihrer Kompromisslosigkeit den Zuschauer immer wieder staunend in den Kinositz zurückfahren lassen.

Dem Ganzen wird dabei die Krone aufgesetzt, indem auf engstem zeitlichen und physischen Raum alle politischen und popkulturell wichtigen Ereignisse der späten 60er Jahre konzentriert werden. Dabei werden sie zum Teil offen (Vietnamkrieg, Watergate), teils durch gekonnte Anspielungen (Kennedy, Manson-Morde) in die Szenerie geworfen und ergänzen sich dabei erstaunlich natürlich. Das liegt vor allem an der schauspielerischen Leistung der Beteiligten, die aufgrund des Fokus auf intensive Dialoge und gekonnt eingesetzte One-Shots besonders zur Geltung kommt. Dabei glänzen vor allem Jon Hamm und Dakota Johnson, die in für sie ungewöhnlichen Rollen perfekt aufzugehen scheinen. In dem Zusammenhang stellt Jeff Bridges als alter Mann mit dunklem Geheimnis gewissermaßen eine Kopie schon gesehener Auftritte dar, ohne die im eigene Qualität zu mindern.

Alles in allem ist “Bad Times at The El Royale” ein technisch und schauspielerisch hervorragendes Werk, dass zwar seine Zeit braucht um in Fahrt zu kommen, aber danach eine solche Intensität entwickelt, dass der Puls bis zur letzten Minute des Films oben bleibt. Eine klare Empfehlung für diese moderne Interpretation eines Noir-Krimis!

Igor Barkan

Foto: © 2018 Twentieth Century Fox