Furioser Einstand von Maxi Schafroth beim Derblecken auf dem Nockherberg

Nicht nur die bayerische Politiklandschaft, sondern auch der Nockherberg sieht 2019 personell anders aus als im Vorjahr. Während letztes Mal der scheidende Ministerpräsident Seehofer sein Fett von Luise „Mama Bavaria“ Kinseher wegbekam, hat sich das Karussell diesmal sowohl auf als auch vor der Bühne gedreht.

Während nun Markus Söder in Bayern das Sagen hat, setzt es diesmal von Maxi Schafroth verbale Hiebe.

 

Bis dahin müssen die Anwesenden aber kollektiv die im traditionellen Singspiel vorgetragenen Spitzen aussitzen. Als Rahmenhandlung landen die porträtierten Politiker allesamt im Wellnesskeller unter der Staatskanzlei, wo sie den „bayerischen Dusel“ fangen wollen, um selbigen zu haben, während eine Heizung repariert werden soll,die jeden Moment zu explodieren kann.

 

Die Hauptfigur, wie sollte es auch anders sein, ist Söder (Stefan Zinner), der im Trainingsanzug (in 80er Jahre lila) durch die Gegend wandert und dabei in einem Spind den erwähnten „Dusel“ gefangen hält. Dieser wird von Gerd Lohmeyer als kleinen Quälgeist verkörpert. Schon hier fallen die ersten Gags auf Kosten des Ministerpräsidenten, der auch im echten Leben einen nach außen hin „lockereren“ Stil pflegt und sich an die Wähler des Volksbegehrens zum Bienenschutz anbiedert, während er im Kern immer noch ein konservativer Berufspolitiker ist.

 

Vor den anderen Mitstreitern und Konkurrenten versucht er den modernen Abgeordneten einer neuen Generation zu geben, nur um wiederholt festzustellen, dass er ohne „Dusel“ wohl nicht dort wäre, wo er steht. Das kommt insbesondere bei Querverweisen auf die weibliche Besetzung seines Stabs zum tragen.

Eine weitere Hauptfigur ist der von Florian Fischer verkörperte Hubert Aiwanger, dessen Kopie des Politikers noch fader wirkt, als das reale Vorbild. Die Witze beschränken sich auf verdrehte Wortspiele und der Interaktion mit Söder, der sich seinen Namen einfach nicht merken kann.

Hinzu kommt Stefan Murrs Darstellung von Andreas Scheuer, dessen Hingabe zur Autoindustrie auch hier zum Thema und schlussendlich sogar zum Song „Autoschmuser-Andi“ wird. Zum ersten Mal als Charakter dabei ist Katharina Schulze, verkörpert durch Sina Reiss. Leider wird der junge bzw. moderne Kern der Politikerin auf Jugend-Sprech und Social Media-Präferenz herunter gebrochen, was weder für einen Wiedererkennungswert der echten Politikerin, noch damit verbundene Lacher sorgt.

Apropos jugendlich: Sogar Merkel kann durch Antonia von Romatowski untergebracht werden. Mit Hip-Hop Attitüde und Seitenhieben auf ihre echten Konkurrenten und Gegner, legt sie Reime hin, die zwar in teilen gestelzt aber inhaltlich doch oft spitz genug sind. Unter anderem geht der ein oder andere Angriff an Horst Seehofer (Christoph Zrenner), der als „Invisible Horst“ von niemandem mehr wahrgenommen wird.

 

Für eine Überraschung konnte aber doch gesorgt werden: Niemand Geringeres als das Volksmusik-Duo Marianne und Michael enterten die Bühne und spielten sich tatsächlich selbst. Im großen und ganzen kann man daher zwar von einem insgesamt unterhaltsamen Singspiel sprechen, dass für nächstes Jahr jedoch ordentlich Luft nach oben lässt.

 

Der auf den alle gewartet haben, war der schon erwähnte Maxi Schafroth aus dem Allgäu, der im Gegensatz zu seiner Vorgängerin keine Kunstfigur geschaffen hat, sondern als er selbst bzw. der Kabarettist Schafroth auf der Bühne steht.

Der 34-jährige Fastenredner gab einen überraschend guten Einstand, wenn man die Größe der Fußstapfen bedenkt, die Kinseher hinterlassen hat. Das liegt auch an der Schärfe seiner Witze, die fast ausnahmslos jeder bayerische Politiker von Bedeutung zu spüren bekommt. Das fängt bei Söder und seinem „Bavaria One“-Programm an, geht über den Stillstand der CSU im Allgemeinen, Christian Udes Engagement nach dem Ende seiner Regierungszeit als Oberbürgermeister bis hin zu den Grünen und der SPD.

Trotzdem schienen alle anwesenden auch über sich selbst lachen zu können, denn kritische Stimmen zu Schafroths Auftritt konnte man kaum ausfindig machen. Zwar war er manch einem noch nicht sattelfest genug, aber für ein Feuertaufe reichte es allemal. Daher kann man gar nicht anders als sich auf 2020 zu freuen! Wir sind dabei!

Igor Barkan

 

 

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