Knocked Loose (+ Caged Existence, Cruel Hand, Kublai Khan) in der Münchner Kranhalle (02.06.2019)

Knocked Loose (+ Caged Existence, Cruel Hand, Kublai Khan) in der Münchner Kranhalle (02.06.2019)

Als die Ankündigung kam, dass Knocked Loose aus Oldham County ihre erste Headliner-Tour in Europa bestreiten würden, ließ dass nicht nur den hier schreibenden Redakteur aufhorchen. Während die Band in den Staaten aktuell im Bereich des Hardcore Punk/Metalcore als der heiße neue Scheiß gehandelt wird, gilt das Quintett hierzulande noch als Geheimtipp, der jedoch ebenfalls jederzeit im positiven Sinne explodieren könnte. Ein erstes Anzeichen dafür war, dass die Show im Münchner Feierwerk restlos ausverkauft wurde und man nun gespannt sein durfte, ob die Jungs dem noch brodelnden Hype gerecht werden würden.

Doch zunächst darf eine ganze Riege an Vorbands, das im Schnitt sehr junge Publikum, welches offensichtlich primär der Core-Szene der Stadt entstammt, ordentlich anheizen. Zuerst sind die aus Melbourne angereisten Caged Existence an der Reihe, die mit einer Frontfrau an der Spitze eine Mischung aus mit Metal gewürztem Hardcore präsentieren. Dabei vermeide ich bewusst das Wort Metalcore, denn das würde dem Sound nicht gerecht werden. Die Attitüde ist definitiv dem Core-Element zu entnehmen, während nur vereinzelte Songstrukturen aus dem Metal stammen. Zwar resultiert daraus nicht zwangsläufig eine individuelle Note, doch den ersten Violent Dancern aus der Menge, die recht schnell dafür sorgen, dass sich ein gigantischer Abstand zwischen Menge und Band entwickelt, scheint es von Beginn an zuzusagen.

Ihnen folgen die aus Portland stammenden Cruel Hand, die zwar ebenfalls eine Hardcore-Basis aufweisen, ihren Fokus jedoch auf Punk und Thrash-Metal legen, der dafür sorgt, dass sich mehr Leute in die Nähe der Bühne wagen und „Windmühlen“ sowie angedeutete „Crowd Kills“ deutlich abnehmen. Dafür steigt die Hitze und erst recht die Stimmung im Raum, die langsam richtig Lust auf das macht, was noch kommen soll.

Das sind in diesem Fall zunächst Kublai Khan aus dem nord-texanischen Sherman, die die Betriebstemperatur gleich zu Beginn auf ein Level bringen, dass Knocked Loose nur noch aufnehmen müssen. Zwar werden sie gemeinhin dem Metalcore zugeordnet, aber wie bei den Acts zuvor und generell in Bezug auf die neue Generation an Musikern, ist eine eindeutige Verortung inzwischen eher schwierig vorzunehmen und auch nur bedingt nötig. Mit ihren außergewöhnlichen Riffs und teils überraschendem Songaufbau ziehen sie die Aufmerksamkeit derjenigen im Saal auf sich, die sich Abwechslung wünschen, während Breakdowns die Puristen im Publikum zufrieden stellen.

Nun dürfen endlich Knocked Loose ran und machen schon ab dem ersten Ton keine Gefangenen. Mit ihrer einzigartigen Mixtur aus Hardcore-Punk und aufs Gitarrenspiel fokussierten Tracks treffen sie offenbar nicht nur den Nerv der Zeit, sondern auch den Wunsch der Anwesenden nach einem brutalen Pit, der sich sogleich über den gesamten Saal, bis auf die Bühne erstreckt. Dabei beginnen die Jungs mit einem neuen und daher für viele recht unbekannten Track namens „By The Grave“. Trotzdem tut das der Ekstase keinen Abbruch, die mit dem auf dem kommenden Album „A Different Shade of Blue“ erscheinenden „All My Friends“ aufrecht erhalten wird. Und so geht es über die gesamte Spielzeit hinweg, die kaum Atempausen bietet, dafür aber umso mehr Nackenbrecher, die mit dem psychotischen „Counting Worms“, inklusive dem obligatorischen „Hundegebell“ ein Ende findet.

Alles in allem versteht man nun, warum Knocked Loose in ihrer Heimat geradezu einen Hype losgetreten haben, der auch vor prominenten Vertretern des Genres keinen Halt macht, die immer wieder gerne auf den Nachwuchs verweisen, der es geschafft hat das bis dato gültige Rezept für Hardcore und Metalcore zu durchbrechen und eine eigene Note hinzuzufügen, die ihrem Erfolg recht gibt. In diesem Sinne braucht man sich vermutlich nicht zu wundern, wenn der Name der Band in naher Zukunft öfter auf hiesigen Plakaten erscheint und größere Hallen gebucht werden müssen.

Bericht & Fotos: Igor Barkan

Knocked Loose (+ Caged Existence, Cruel Hand, Kublai Khan) München_Kranhalle_©SHARKmagazin (1) Knocked Loose (+ Caged Existence, Cruel Hand, Kublai Khan) München_Kranhalle_©SHARKmagazin (2) Knocked Loose (+ Caged Existence, Cruel Hand, Kublai Khan) München_Kranhalle_©SHARKmagazin (3) Knocked Loose (+ Caged Existence, Cruel Hand, Kublai Khan) München_Kranhalle_©SHARKmagazin (4) Knocked Loose (+ Caged Existence, Cruel Hand, Kublai Khan) München_Kranhalle_©SHARKmagazin (6) Knocked Loose (+ Caged Existence, Cruel Hand, Kublai Khan) München_Kranhalle_©SHARKmagazin (7) Knocked Loose (+ Caged Existence, Cruel Hand, Kublai Khan) München_Kranhalle_©SHARKmagazin (8) Knocked Loose (+ Caged Existence, Cruel Hand, Kublai Khan) München_Kranhalle_©SHARKmagazin (9) Knocked Loose (+ Caged Existence, Cruel Hand, Kublai Khan) München_Kranhalle_©SHARKmagazin (10) Knocked Loose (+ Caged Existence, Cruel Hand, Kublai Khan) München_Kranhalle_©SHARKmagazin (11)
<
>