Punchfest im Backstage

Es ist schon Ende des Jahres und damit natürlich wieder Zeit für das alljährliche „Punchfest“ im Münchner Backstage, dass nach dem zweiten Album der Gastgeber apRon benannt wurde. Dabei handelt es sich nicht um ein simples Konzert einer lokalen Formation, sondern um ein richtiges kleines Indoor-Festival mit allerlei Zusatzattraktionen, die man in der Form selten bis nie wo anders zu sehen bekommt.

 

Abgesehen von der Fülle an Bands, warten auf die Besucher Getränkespecials, Eis vom verrückten Eismacher (Bier und Lebkuchen), ein Künstler-Stand des Münchner Zeichners Andi Papelitzky (der auch für die Comics der Band verantwortlich ist) und  (wortwörtlich) ein Pausenclown. Aber eins nach dem anderen.

 

Schon um 18:30 Uhr betritt mit Circus of Fools die erste Band die Bühne des Backstage Werks und unterstreicht allein schon visuell das Zirkus-Thema des Abends. Gehüllt in schwarz-graue Klamotten, die direkt aus einer Gruft gezogen sein könnten und geschminkt wie man sich düstere Horror-Clowns so vorstellt, servieren sie soliden Gothic/Death-Metal, der die zwar noch wenigen, aber durchaus begeisterten Anwesenden zu überzeugen weiß.

 

Als nächstes dürfen Stonem ran, die sich mit ihrem brachialen Metalcore zwar optisch und musikalisch vom Thema des Abends etwas entfernen, mit ihrer energiegeladenen Performance aber sogleich für die ersten richtigen Pits des Abends sorgen. Inzwischen hat sich die Halle darüber hinaus ordentlich gefüllt und lässt schon etwas von der Stimmung erahnen, die mit apRon erst so richtig losbrechen bzw. mit Russkaja den Höhepunkt erreichen sollte.

 

Bis dahin gibt es zwischen den Acts im Übrigen allerlei zu tun, wenn man das als Zuschauer denn möchte. Üblicherweise muss man sich als Konzertgänger in den Umbaupausen einem peinlichen Schweigen hingeben, wenn man nicht gerade mit Leuten unterwegs ist, die man kennt oder von vornherein ein eher offenerer Mensch ist. Beim „Punchfest“ gibt es jedoch neben den erwähnten Ständen, den schon ebenfalls kurz angerissenen Pausenclown, der nicht einfach zum erweiterten Freundeskreis der Bands gehört und nun den Alleinunterhalter mimen soll, sondern in Form des professionellen Entertainers namens Tom Tak Jana erscheint, der für seine Performances in unterschiedliche Rollen schlüpft. An diesem Abend präsentiert er sich dem Publikum als Jolandolo vom Birkenschwamm, der primär im mittelalterlichen Kontext auftritt, für das „Punchfest“ jedoch eine „zeitlosere“ Show präsentiert. Diese besteht aus, durchgehend dem erwachsenen Publikum angepassten, zotigen Witzen, Zaubertricks und überraschenden Gags. Diese halten die Zuschauer die gesamten Umbaupausen lang bei Laune, was wiederum den Beweis liefert, dass Clowns für Unterhaltung stehen, die kein Alter oder Milieu kennt.

 

Musikalisch geht es mit den Organisatoren des Abends in Form von apRon weiter, die schon den fünften Geburtstag des Albums feiern, dass zeitgleich Namensgeber des Festivals ist. So wird zur Freude der Anwesenden der gesamte Longplayer „Der Punch“ zum Besten gegeben und mit den beliebtesten Tracks der aktuellsten Veröffentlichung „Auf dem Ponyhof“ verfeinert. Wie gewohnt wird dabei die wortwörtlich bunte Mischung aus brachialen Riffs, variablem Gesang und einer Menge Konfetti serviert, der die Fans auch nach einigen Jahren nicht überdrüssig zu sein scheinen. Das Konzept geht in jedem Fall auf und verspricht eine Wiederholung im kommenden Jahr, die langsam aber sicher als lokale Konzert-Tradition bezeichnet werden kann.

 

Eine kleine Besonderheit findet sich jedoch im Headliner, dessen Slot diesmal nicht apRon, sondern die österreichischen Superstars Russkaja für sich beanspruchen. Zwar schlägt die Combo um Georgij Alexandrowitsch Makazaria so gut wie jedes Jahr in München auf, doch die alten und immer wieder neu angehäuften Fans werden nicht müde, den spannenden Mix aus traditioneller russischer Musik, Crossover-Klängen und Polka-Elementen immer wieder abzufeiern. Das ist auch diesmal der Fall, was wiederum durch lautstarke Gesänge, dem obligatorischen Circle-Pit beim Kult-Track „Psycho Traktor“ und unzähligen verschwitzten Fans unterstrichen wird.

 

Alles in allem ist daher das „Punchfest“ auch in diesem Jahr eine Pflichtveranstaltung für Fans gewesen, die lokale Acts unterstützen wollen, im Gegenzug aber nicht nur ein Konzert, sondern im wahrsten Sinne des Wortes ein Event bekommen, dessen Ende man sich gar nicht vorstellen möchte. Das nächste Mal wird auf jeden Fall erneut dick im Kalender angestrichen!

Text und Fotos: Igor Barkan

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