Sinsaenum gaben sich im Backstage Club die Ehre

Wenn man üblicherweise von Supergroups berichtet, handelt es sich meistens um einen Zusammenschluss an Musikern aus erfolgreichen Bands, die gemeinsam etwas Großes auf die Beine stellen wollen und dabei ihre prominenten Namen als Aushängeschild verwenden. Die Musik ist dabei oft fast schon zweitrangig, doch es gibt immer wieder angenehme Ausnahmen.

Dazu zählen definitiv Sinsaenum, die das Who-Is-Who des Metal unter einem Dach vereinen und dabei eine überraschend brutale Spielart des Blackened Death Metal zum Besten geben. Angefangen als Wunsch nach mehr musikalischer Freiheit durch Frédéric Leclercq (Dragonforce) und Joey Jordison (Ex-Slipknot, VIMIC), begann das Projekt reale Züge anzunehmen, als der Franzose Stéphane Buriez (Loudblast) hinzustieß und niemand geringeres als Attila Csihar (Sunn-O))), Mayhem) und Sean Zatorsky (Dååth, Chimaira) am Gesang, der Band eine Stimme gaben. Vervollständigt wurde das Ganze durch Heimoth (Seth) am Bass.

Nun ist die Formation seit Jahren umtriebig und veröffentlichte seit ihrer Gründung im Jahr 2016 ganze drei EPs und zwei Alben, von denen “Repulsion for Humanity” erst im August 2018 das Licht der Welt erblickte. Jedoch gab es Sinsaenumnoch nie live zu sehen und es wurde Zeit das zu ändern. Deswegen kann man sie aktuell (ohne Attila, aufgrund anderer Verpflichtungen) auf ihrer ersten Welttournee erwischen, die sie über Europa, nach Russland, über Asien bis hin nach Australien und Neuseeland führt. Auf diesem Weg hatte man auch die Ehre sie am 09.10.2018 im Münchner Backstage zu sehen, wo sie ursprünglich im Werk spielen sollten, der größten der drei Hallen auf dem Gelände. Aufgrund der eher unter dem Radar laufenden Promo für das Konzert, wurde alles jedoch in den Club, die kleinste Location, verlegt. Was für so manche Band vielleicht eine Enttäuschung sein könnte, war für Fans die einzigartige Möglichkeit ihren Idolen so nahe zu kommen, wie nie zuvor. Insbesondere eine lebende Legende wie Joey Jordison, der noch vor einigen Jahren die größten Bühnen dieser Welt bespielte und eine ganze Generation an Musikern inspirierte, war nun nur eine Handbreit vom Publikum entfernt.

Doch bevor es mit dem Mainact überhaupt losgehen konnte, durften gleich zwei Support-Acts das überschaubare, aber motivierte Publikum aufwärmen. Zunächst machten sich die Hannoveraner Critical Mess ran, die mit ihrem modern angehauchten Death Metal den Ton für den restlichen Abend vorgeben sollten. Allem voran die Frontfrau Britta Görtz, die mit ihrem gutturalen Gesang für offene Münder und mit dem Rest der Band für erste Headbanger in der Menge sorgte. Mit Tracks aus ihrem Debüt-Album “Human Praey” (ja, auch bei Titeln neigen sie zu Vokal-Wortspielen) markierten sie in jedem Fall ihr Revier und werden sicherlich wieder gerne in der bayerischen Landeshauptstadt empfangen.

Ihnen folgte die schon seit vielen Jahren etablierten Death-Thrasher Hatesphere. Mit ihren bierseligen Ansagen und einer nicht geringen Anzahl erschienener Anhänger der Dänen, war ab der ersten Sekunde klar, dass sie den Club auf ihrer Seite haben würden. Mit sympathischen Old-School-Vibes boten sie zwar einen leichten Kontrast zu den anderen Bands, fügten sich aber trotzdem so sauber ein, dass jeder Anwesende, ob Fan oder nicht, ordentlich auf seine Kosten kam.

Nachdem die Nackenmuskulatur nun aufgewärmt und das imposante Drumset von Jordison auf der kleinen Bühne platziert wurde, war es endlich an der Zeit für ein paar ordentliche Brecher aus den Boxen der All-Star-Crew um Sinsaenum, die nach einem stimmungsvollen Intro den Eröffnungstrack ihres gleichnamigen Albums “Repulsion for Humanity” auf die Menge losließ. Dabei war den Musikern zunächst durchaus die Irritation anzumerken, in einem so kleinen Rahmen zu performen (bis dato die kleinste Location der Tour), doch nach wenigen Minuten dominierte erneut die Professionalität und damit einhergehende Aura, die auf den Erfolg der (teils ehemaligen) Hauptprojekte schließen lässt.

Dabei steht der überwiegende Teil der Show unter dem Banner des aktuellsten Releases, bei dem sich kreischende Gitarren und groovende Stampfer die Klinke in die Hand drücken und nur durch wenige Tracks aus dem Erstlingswerk “Echoes of the Tortured” abgelöst werden. Zu diesen gehören “Splendor and Agony” oder auch “Condemned to Suffer“, sowie selbstverständlich “Army of Chaos“, dass den ersten bekannten Song der Band und den energiegeladenen Abschluss des Sets darstellen sollte.

Dazwischen werden aber auch Perlen wie “Ashes” aus der gleichnamigen EP oder auch “Hooch“, ein Cover der Melvins, dass man in einer so schwermetallischen Fassung wohl noch nie hören durfte, eingestreut.

Alles in allem ein Set, dass den Charme eines Underground-Death Metal-Gigs versprüht, dem der der Kontrast der schillernden Musiker entgegensteht. In diesem Sinne eine Mischung, die man so schnell nirgendwo anders entdecken wird und damit ein Geheimtipp für alle jene, die Sinsaenum noch auf der aktuellen Tournee sehen können oder sich für die Zukunft einen heißen Namen auf ihre Konzertliste setzen wollen.

Doch auch nachdem sich das Quintett von der Bühne verabschiedet hat, geht die “Show” im weitesten Sinne weiter, denn Fan-Nähe wird auch nach dem Abbau großgeschrieben. So hatte man als Zuschauer nach einer kurzen Wartezeit die Möglichkeit sich beim Kauf einer CD oder Vinyl-Platte, sich diese von der Band signieren zu lassen und Fotos mit den Musikern zu schießen. Eine Chance, die sich bei Konzerten von Slipknot (oder für Joey aktuell VIMIC) oder Dragonforcewohl nur nach Stunden in der Kälte vor dem jeweiligen Tour Bus ergeben würde, falls man überhaupt dort hingelassen wird.

So bleibt der Eindruck einer intensiven Performance, die in ihrer einzigartigen Intimität noch lange nachklingen wird und Vorfreude auf den nächsten Besuch von Sinsaenum macht!

 

Bericht & Fotos: Igor Barkan

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